Die "Kulinarische Physik" beschäftigt sich mit den Zusammenhängen zwischen der Kochkunst und den Naturwissenschaften - insbesonders der Physik.

Was ist Naturwissenschaft: Die Naturwissenschaften beschäftigen sich mit den Vorgängen in der Natur. Es werden Zusammenhänge zwischen verschiedenen Meßgrößen (zum Beispiel der Backrohrtemperatur und der Bratdauer) hergestellt. Zuerst werden Hypothesen aufgestellt - wie verhält sich ein System unter bestimmten Umständen. Danach werden die Hypothesen durch ein Experiment überprüft. Wenn sich mehrere Hypothesen als richtig herausgestellt haben, werden Sie zu einer Theorie zusammengefaßt.

Was hat dies alles mit dem Kochen zu tun ?

Sehr viel - denn normalerweise handeln die meisten Personen, die kochen im naturwissenschaftlichen Sinn. Man stellt sich die Frage, ob denn dieses oder jenes Gewürz zu dieser oder jener Speise paßt, oder ob man den Kuchen vielleicht nicht doch ein bißchen länger erhitzen hätte sollen. Meist wird auch ein Experiment durchgeführt. Man gibt beim nächsten mal das besagt Gewürz hinzu und wird nun feststellen, ob die Speise besser oder schlechter schmeckt. Vielen ist nicht klar, daß dies die Grundsätze der Naturwissenschaft sind: Eine Hypothese formulieren, sie mit einem Experiment überprüfen und die Ergebnisse zu einer Theorie zusammenfassen.

Viele Menschen, die kochen, haben ihre Hypothesen aus Kochbüchern oder von der vorhergehenden Generation (meist von Müttern). Manche Hypothesen (Meinungen) sind durchaus richtig, aber bei vielen handelt es sich um Vorurteile, die einfach falsch sind:

Sie haben sicher schon dieses oder jenes Vorurteil gehört. Leider gibt es gerade beim Kochen sehr viele diese Meinungen, die falsch sind. Wenn man sich genauer mit der Materie beschäftigt, dann kann man diese Hypothesen viel besser beurteilen. Manche stellen sich als richtig heraus, andere sind falsch. Durch das Erkennen von falschen beziehungsweise von richtigen Hypothesen kann besser gekocht werden. Eigentlich benötigt man dafür nur ein paar Begriffe aus der Physik und der Chemie. Der Rest ergibt sich aus einer genauen Beobachtung des Kochvorgangs.

Für den Wissenschafter sind exakte Begriffe wichtig, leider hat sich das in der Kochkunst noch nicht herumgesprochen:

Man nehme ein Kochbuch, schlage es auf und suche sich ein Rezept. Dort findet man: Man nehme einen Teelöffel davon, eine Prise von jenem, schlage dieses zu einer festen Masse, unterhebe es vorsichtig mit einer anderen Masse und füge 2 Eier hinzu, verrühre das Ganze langsam und führe dies nochmals mit 2 weiteren Eiern durch. Das ganze wird dann bei mittlerer Hitze in den Ofen gestellt.

Für einen Naturwissenschafter stellen sich da so einige Fragen:

Fragen über Fragen. Natürlich kann eine gewiefte Hausfrau jede dieser einzelnen Fragen beantworten, wenn sie das vollständige Rezept vorliegen hat.

Aber sollten wir uns nicht fragen warum denn dieses oder jenes beim Kochen so ist ? Nur die wenigsten lassen sich beim Kochen auf eine wissenschaftliche Fragestellung ein. Das ist schade, denn dann würde man einige Zusammenhänge erkennen und diese geschickt auf andere Rezepte anwenden können. Zum Glück sind die Prinzipien der Physik und Chemie einfach zu verstehen.

Die Chemie beschäftigt sich damit, wie einzelne Atome oder Moleküle eine Verbindung eingehen, wie stark diese Verbindung ist und unter welchen Bedingungen sich diese Verbindungen wieder lösen. Der Begriff der Energie ist der Physik eigen. Wieviel Energie muß man aufwenden, damit 1 Liter Wasser um 1°C wärmer wird. Was passiert dabei mit den einzelnen Molekülen im Wasser und wie verteilt sich die Energie ?

Sie meinen, Sie haben dies beim Kochen noch nicht benötigt ?  Haben Sie sich schon jemals gefragt warum Milch "überlaufen" kann und Wasser nicht ?